Der jüdische Friedhof 1517 – 1784

Die älteste Inschrift des „Juden-Freythoff im Oberen Werd“ (heute Seegasse 9-11, gegenüber der Messiaskapelle) datiert auf das Jahr 1582 (nach anderen Quellen sogar auf 1517). Die früheste urkundliche Erwähnung ist 1629. Bei der Vertreibung der Wiener Juden im Jahre 1669/1670 wurde der Bestand des Friedhofes durch eine Zahlung der Brüder Fränkel in der Höhe von 4.000 Gulden an den Wiener Magistrat gesichert. Koppel Fränkel verstarb noch vor seiner Auswanderung und wurde in der Seegasse begraben.

Der Friedhof wurde 1784/85 – so wie alle Friedhöfe innerhalb des „Linienwalles“ – unter Kaiser Joseph II  geschlossen. Das heißt, er bestand zwar weiter, wurde aber nicht mehr neu belegt.

Jüdischer Friedhof, Wien Seegasse, historische Aufnahme

Jüdischer Friedhof, Wien Seegasse, historische Aufnahme

Etwa 700 Grabsteine waren bis zur Umwandlung des jüdischen Spitals in ein Kriegslazarett erhalten geblieben. 1943 sollte der Friedhof geschleift und die Fläche verbaut werden. Auf Initiative einiger in Wien verbliebener Juden konnte ein Teil der Grabsteine auf dem Zentralfriedhof beim Tor 4 vergraben werden. So überstanden sie unbeschädigt den 2. Weltkrieg und wurden 1981 im Garten des heutigen Pensionistenheimes „Haus Rossau“ wieder aufgestellt.

Der jüdische Friedhof in der Seegasse ist die einzige Begräbnisstätte mit ausschließlich hebräischen Inschriften. 1996 wurde das Grabmal von Rabbiner Simon Wertheim, Minister am kaiserlichen Hof an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert, restauriert.

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