Grußworte zum 50jährigen Bestehen der Schwedischen Mission in Wien

Grußwort des evangelischen Bischofs Oskar Sakrausky

Der Schwedischen Israelsmission in Wien zum Gruß

Seit 50 Jahren ist die Schwedische Israelsmission in Wien tätig. Dieses Jubiläum soll nicht nur Anlaß zum Dank an unsere schwedischen Freunde sein, sondern auch zu einem Wort über die Bedeutung dieses christlichen Wirkens.

Durch die Bibel Alten und Neuen Testamentes sind Juden und Christen untrennbar miteinander verbunden, denn ihnen gilt die Verheißung des lebendigen Gottes.

In den Jahren vor und nach dem Ersten Weltkrieg kamen meist aus dem Osten jüdische Familien nach Wien und hatten hier, wie auch in den anderen Großstädten der damaligen Monarchie, bzw. der habsburgischen Nachfolgestaaten, ihre erste Berührung mit dem Protestantismus. Meist aus orthodoxer und daher oft feindlich ein gestellter Umgebung, lernten sie die tolerante, liberale und aufgeklärte Art der evangelischen Großstadtgemeinde kennen. Sie war es, die ihnen nicht nur in Predigt und Seelsorge ein Jesusbild vor die Augen malte, welches ihren Vorstellungen entsprach, sondern es konnten auch mancherlei Beziehungen zu dem völlig anderen Leben als dem ihrer früheren Heimat hergestellt werden.

Gerne nahmen sie den angebotenen Dienst aber auch die Verkündigung des Wortes an, sodaß die einzelnen Pfarrer kaum mehr die daraus entstehenden geistlichen Verpflichtungen wahrnehmen konnten. Dazu kam auch, daß diese Menschen, tief religiös in ihrem Wesen und verwurzelt in ihrer Tradition, einer eingehenden, ihren Fragen angepaßten Verkündigung, bedurften.

Hier kam in dankenswerter Weise Schwedens Israelsmission zu Hilfe. In vorbildlicher Weise hat sie von der Seegasse aus diese Arbeit geführt und besonders in den neuen Anfechtungen und Pressionen während des nationalsozialistischen Regimes tapfer durchgehalten. Vielen bedrohten Menschen konnte das Leben gerettet werden.

Wenn auch die Fragestellung, die schon im Neuen Testament anklingt: “Wie lange hältst Du unsere Seele im Ungewissen” (Job. 10, 24) nicht mehr aktuell erscheint, so bleibt sie doch bestehen bis zur Wiederkunft Jesu Christi, unseres Herrn. Darum ist die Kirche verpflichtet, immer wieder auf diese Frage eine Antwort zu geben, die die Fragesteller auch verstehen. Möge diese Antwort, wie sie von den Männern und Frauen der Schwedischen Israelsmission in Wien gegeben worden ist und hundertfach von Gott gesegnet wurde, auch weiterhin gesegnet werden!

Die Evangelische Kirche in Österreich aber möchte ihren Dank dafür aussprechen, daß Gott dieses Werk bisher so wunderbar geführt hat. Der Dank unserer Kirche gilt aber auch allen unseren Freunden und Mitarbeitern der Mission, besonders denen, die aus Schweden zu uns gekommen sind.

Bischof Oskar Sakrausky

Grußwort des evangelischen Superintendenten Georg Traar

50 Jahre Missionsarbeit in Wien

Daß seit 50 Jahren die Schwedische Mission für Israel in Wien tätig ist, ist nicht nur für unsere schwedischen Freunde ein dankbar benützter Anlaß, an alle Männer und Frauen zu denken, die in der Seegasse ihren Dienst getan haben, und an die vielen hundert und aber hundert Menschen, denen in guten und bösen Tagen gedient wurde, sondern auch das Evangelische Wien und mit ihm das Evangelische Österreich danken mit.

Die Arbeit unserer schwedischen Freunde gliedert sich für den österreichischen Betrachter in zwei große Arbeitsgebiete. Einmal danken wir für den reichen, stellvertretenden Dienst, der in der Seegasse für Brüder und Schwestern geleistet wurde, die aus Israel kamen. Zum anderen denken wir an die Verkündigung des Evangeliums, die im Hause Seegasse 16 schon vor der Einrichtung der Messiaskapelle und dann erst recht nach ihrer Einrichtung hier stattfand. Für uns Wiener bedeutet die Errichtung der Messiaskapelle nicht nur die für eine lutherische Diasporagemeinde in der Großstadt dringend notwendige Vermehrung des kirchlichen Raumes, nicht nur den Ort der Begegnung mit Brüdern und Schwestern aus Israel, nicht nur die Erfahrung brüderlicher Zusammenarbeit mit unseren schwedischen Freunden, sondern vor allem die gesegnete Stätte der Verkündigung der frohen Botschaft von der Gnade Gottes in Jesus Christus.

Mit großer und dankbarer Freude sehen wir deshalb dem Besuch der schwedischen Brüder, vor allem des hochverehrten Bischofs Silén und des unserem Herzen nicht weniger nahestehenden Missionsdirektors Göte Hedenquist, beide den Evangelischen Wiens wohl bekannt und vertraut, entgegen. Das Evangelische Wien, vor allem aber die Pfarrgemeinde A. B. Wien Innere-Stadt, in deren Sprengel die Seegasse mit ihrer Messiaskapelle liegt, sind von Herzen bereit, mit den Freunden aus Schweden, Schwester Annalena und Pfarrer Adolf Rücker, die die Arbeit in Wien führen, Gott für den reichen Segen zu danken, den Er auf die Arbeit in der Seegasse, auf den brüderlichen Dienst der Liebe, auf die Messiaskapelle und auf die Predigt seines Wortes gelegt hat.

Georg Traar

Quelle: Christusbote – Vierteljahresbrief der Schwedischen Mission für Israel, Jubiläumsausgabe „50 Jahre Schwedische Mission in Wien“, 1972

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