1938 – 1945 Die Kriegsjahre

Zwischen 1938-1941 konnte über 3.000 Menschen, vornehmlich Juden und auch Christen jüdischer Abstammung zur Ausreise aus Österreich verholfen werden, um sie vor der Deportation in die Vernichtungslager zu bewahren. Als schwedischer Staatsbürger durch seine diplomatische Immunität einigermaßen geschützt, verhandelte der Direktor der Schwedischen Mission in Wien, Pfarrer Göte Hedenquist zu diesem Zweck regelmäßig mit Adolf Eichmann im Palais Rothschild in der Prinz-Eugen-Straße. Die Schwedische Mission unterhielt zu diesem Zweck sogar eine eigene Kanzlei in Eichmanns Hauptquartier. So konnten zuverlässige Mitglieder der Jugendgruppen als „GEMIPO“ (Geheime Missions Polizei) im GESTAPO Hauptquartier tätig sein, um Pässe und andere Dokumente zu beschaffen. Trotz aller Bemühungen konnte jedoch der weitaus größeren Zahl, die sich an die Schwedische Mission um Hilfe wandten, nicht geholfen werden.

"Der Auszug der Assyrer" - Jüdische Emigranten vor der Messiaskapelle Die undatierte Aufnahme zeigt im Hintergrund das noch immer in dieser Form bestehende Haus Seegasse 13 (Photo mit freundlicher Genehmigung des Schwedischen Kirchenarchivs Uppsala)

1938

Unter der Leitung von Pfarrer Göte Hedenquist dient das Haus in der Seegasse jetzt als Auswanderungsbüro, Wohnungsamt, Hilfswerk, Mittagstisch und Zufluchtsstätte für Verlassene und Verfolgte. Die Bezeichnung „Schwedische Gesellschaft für Israel“ mußte auf behördlichen Befehl geändert werden und hieß von nun an „Schwedische Mission Stockholm, Missionsstation Wien“.

An Sonntagen finden mehrere Gottesdienste statt, um alle Besucher aufnehmen zu können. Die steigende Besucherzahl ist auch darauf zurückzuführen, daß es vielen Evangelischen jüdischer Abstammung nicht mehr gestattet wurde, am Gottesdienst in ihren Heimatgemeinden teilzunehmen. Die wenigen Überlebenden, die 1945 nach Österreich zurückkehrten, waren über diese Haltung verständlicherweise so verbittert, daß sie nicht mehr in ihre Heimatgemeinden zurückkehrten sondern weiterhin die Messiaskapelle als ihr geistliches Zuhause betrachteten.

Der Altarraum der Messiaskapelle im Jahr 1939 (Photo mit freundlicher Genehmigung des Schwedischen Kirchenarchivs Uppsala)

Zusätzlich zu den Gottesdiensten fanden ein Jungmänner und ein Mädchenkreis statt.

Die Missionsstation Wien hat rund 100 „offizielle“ Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, um möglichst viele Personen unter den Schutz eines schwedischen Arbeitgebers stellen zu können..
Johannes Jellinek, Pfarrer der evangelischen Kirche und repräsentant der Schwedischen Mission bis 1941

1938 (Juni) – 1941 (Nov.)

Wirken der schwedischen Diakonisse Anna-Lena Peterson.

1939-1940

Missionsleiter Göte Kronvall und Gattin.

1940 (März)

Direktor Göte Hedenquist wird von der GESTAPO des Landes verwiesen, seine Nachfolge tritt Johannes Ivarsson an.

1941 (Mai)

Letzter Gottesdienst in der Seegasse, der mit den Worten endet: „Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget“.

Vor der Schließung des Hauses durch die GESTAPO werden nicht nur einige Möbel und Büromaschinen der Missionsstation nach Schweden gerettet, sondern auch das Altarbild der Messiaskapelle.

1941 (November)

Ausweisung von Schwester Anna-Lena Peterson, als letzter Mitarbeiterin der schwedischen Mission in Wien. Ein Teil der Arbeit geht allerdings auch nach 1941 im Untergrund weiter.

Im Haus Seegasse 16 wurde auf höheren Befehl ein Kranken- und Altenheim für für Juden und Christen jüdischer Abstammung eingerichtet. Das „Schwedenheim“ in Weidling sollte zwar in ein Kinderheim der NS-Frauenschaft umgebaut werden, wozu es allerdings nie kam. So blieb dieses Objekt bis Kriegsende unbewohnt.

Gedenktafel in der Messiaskapelle

Sei getreu bis an den Tod So will ich dir die Krone des Lebens geben. Unseren Toten in den Jahren der Verfolgung 1938 - 1945 zur Erinnerung

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